Plaudern mit Steffi

Plaudern mit Steffi war das Thema des etwas anderen JuMPs-Kaminabends – ohne Kamin, aber mit spannenden Einblicken in das erstaunliche Leben und Wirken des Panik-Bassisten, Produzenten, Musik-Club-Inhabers und langjährigen Organisators des Euro-City-Fests in Münster. „Ihr fragt, ich antworte“, begrüßte Steffi Stephan ganz unkompliziert seine Gäste im weit über die Grenzen Münsters bekannten Jovel. Den Club betreibt er gemeinsam mit seinem Sohn bereits in dritter Auflage, seit 2008 in einem denkmalgeschützten Industriekomplex am Albersloher Weg.

 

„Heute bin ich selbst erstaunt, was ich alles gemacht habe“ blickte Stephan auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Maßgeblich beeinflusst worden waren diese durch die Musik – für ihn das kostbarste auf der Welt, wie er bekannte – und die seit Jugendtagen enge Freundschaft zu Udo Lindenberg: "Udo und ich, wir kennen uns seit über 50 Jahren, wir haben gemeinsam in Münster Musik studiert.“ Unglücklich mit der kaufmännischen Ausbildung in einem Möbelhaus hatte Stephan  seine Mutter überzeugen können, ihm eine Gitarre zu kaufen und zum Musikunterricht anzumelden. Das Talent war da und nach abgeschlossener Lehre wurde er ebenso wie Udo Lindenberg zum Musik-Studium in Münster zugelassen. Doch einige Semester später stellte der Musikschuldirektor die beiden vor die Wahl, richtige Musik zu machen oder die Schule zu verlassen. Steffi und Udo entschieden sich für die „Hotten-Totten-Musik“, was die akademische Laufbahn abrupt beendete.

Danach trennten sich ihre Wege für einige Zeit, Udo zog nach Hamburg und spielte als Schlagzeuger in verschiedenen Jazzrock-Formationen, Stephan  arbeitete in Münster als Wurstwaren-Verkäufer und machte nebenbei Musik in verschiedenen Bands. Bei einem zufälligen Treffen der beiden Anfang der 1970er Jahre sprang der alte Funke sofort wieder über.  „Damals habe ich gelernt, auf Kommando zu schlafen“, es sei kaum Zeit geblieben zwischen dem Job tagsüber und gemeinsamen Proben und Aufnahmen bis in die späte Nacht. Nach einigen englischsprachigen Flops gelang ihnen mit „Hoch im Norden“ insbesondere in Norddeutschland ein erster Hit. 1973 kam dann der Durchbruch mit Alles klar auf der Andrea Doria und dem frisch gegründeten Panikorchester. Den Bund für das gemeinsame Panik-Rocker-Leben besiegelten Stephan, Udo und Trommler Bertram Engel aus Borghorst damals mit einem Ring, den Steffi noch immer trägt. Die Gravur B 54 steht für die Rock-Straße zwischen Gronau über Burgsteinfurt nach Münster, den Heimatstädten der drei.

 

Das erste Jovel - auch Steffis schwarzes Loch genannt

Seiner Heimatstadt Münster. Inder er bis heute wohnt, sei er immer treu geblieben. Dort verwirklichte er 1979 trotz stadtpolitischen Gegenwindes mit großem Durchhaltevermögen die Idee von einem Kommunikationszentrum. Vorbild war die Fabrik, die er in Hamburg kennengelernt hatte. Nach längerer vergeblicher Suche nach einer geeigneten Location übernahm er schließlich das damalige Cinema, ein beliebtes Programmkino, sowie die benachbarte, recht baufällige Gaststätte im Geist-Viertel. Schnell lernte der äußerst ambitionierte, aber doch völlige Neuling die Tücken der Kino-Branche kennen. Die Konditionen der Film-Verleiher machten es fast unmöglich, auch weiterhin anspruchsvolle Filme zu zeigen. Ohne die Querfinanzierung durch die Musik sei das Jovel Cinema, damals auch „Steffis schwarzes Loch“ genannt,  kaum überlebensfähig gewesen, erzählte er. So habe er den Kinosaal kurzerhand zum Proberaum umfunktioniert und für Auftritte und Session genutzt. Dank seiner weitreichenden Kontakte fanden viele bekannte Musiker von Eric Burdon bis zu Miles Davis den Weg auf die kleine Bühne.

Mit vielen kleinen Anekdoten spickte er seine Erzählungen von den Abriss-Plänen des Immobilienbesitzers, die ihn 1987 zwangen, mit dem Jovel in die Abfüllhalle der alten Germania-Brauerei umzuziehen, und von dem erneuten Umzug zum jetzigen Standort mit den drei Locations Jovel Hall, Jovel-Lounge und dem Jovel-Club. Von den vielen Musikern und Bands wie Robert Plant, Bob Geldof, Motörhead oder den Fantastischen 4, die im Laufe der Zeit auftraten, zeugen heute noch die in Gips verewigte Handabdrücke in der Lounge.

 

Spiele zu 50 Prozent für das Publikum und zu 50 Prozent nur für mich

Nebenbei spielte er mit Udo und dem Panikorchester, mit Peter Maffai und zahlreichen weiteren Rock- und Blues-Musikern, trat auf den größten Bühnen Deutschlands auf. Gegen Ender der 1980er Jahre nahm er eine Auszeit, die Luft sei bei ihm raus gewesen. „Irgendwann stand die Musik nicht mehr im Vordergrund, es fühlte sich einfach nicht mehr gut an.“ Seit einigen Jahren ist er wieder dabei, mit Udo und dem Panikorchester erfolgreicher denn je. „Das sind alles hervorragende Musiker, aber Udo bringt den besonderen Kick. Er kann die Leute begeistern, nicht nur das Publikum, sondern alle.“

Lampenfieber habe er nie gekannt, er freue sich jedes Mal, auf die Bühne zu gehen. „Und wenn wir spielen, versuchen wir so gut zu spielen, wie nie zuvor. Ich spiele immer zu 50 Prozent für das Publikum und zu 50 Prozent nur für mich.“ Ohne Antrieb werde es langweilig: „Routine ist der schärfste Gegner der Kreativität.“

 

Es bleibt auf jeden Fall ein Plus

Das unheimliche Glück, das er in seinem Leben gehabt habe, möchte er an den Musiker-Nachwuchs weitergeben. Und so ermöglicht er seit Jahren mit der New-Names-Konzertreihe jungen Bands regelmäßig, im Jovel aufzutreten. Der Eintritt für das Publikum ist kostenlos, die Musiker erhalten eine professionelle Demo-Aufnahme ihres Auftrittes. Doch man solle sich keine Illusionen machen, sagte Steffi. Die wenigsten schaffen einen Durchbruch wie die H-Blockx, deren Karriere Anfang der 1990er Jahre bei den New Names startete. „Früher wurde mit Musik kein Geld verdient und heute auch nicht. Die ganz Großen schöpfen den Rahm ab, der Rest weiß kaum, wie er sich über Wasser halten soll.“ Die Musik-Branche habe sich stark verändert, Selbstvermarktung werde immer wichtiger. Heute sei es ein riesiges Problem, als Kreativer überhaupt noch anständig bezahlt zu werden, das gehe nur noch mit Live-Musik.

Sein Erfolgsrezept sei wohl, dass er immer die Dinge gemacht habe, die ihn wirklich interessierten. Leidenschaft gehöre immer dazu: „Es gibt Dinge, die gehören gemacht und nicht gerechnet“, so Steffi Stephans Philosophie. Damit sei er immer gut gefahren und rückblickend könne er schon jetzt sagen: „Es bleibt auf jeden Fall ein Plus!“

 

 

 

Fotos der Veranstaltung

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