Go digital - die Rolle des Digital HUBs münsterLAND

„Der Fachkräftemangel hat uns schon erreicht: das erste Unternehmen hat bereits seinen Abzug aus Münster angekündigt, weil es hier an ITlern mangelt“, warnte Tom Malessa, die Digitalisierung nicht zu verschlafen. Malessa ist Geschäftsführer des Digital Hubs in Münster, den der Marketing-Club bei seinem Vor-Ort-Treffen besuchte.

Der Digital Hub münsterLAND ist einer von sechs vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Kompetenzzentren, die neben spezifischen Angeboten für jede Region ein gemeinsames Rahmenprogramm für die digitale Wirtschaft umsetzen. Als Drehscheibe der Zusammenarbeit von Unternehmen, Institutionen und Verbänden, Wissenschaft und Startups verfolgt der Münsteraner Hub seit seiner Eröffnung im März 2017 zwei Aufgaben: Bestehende Unternehmen zu fördern, die die Dringlichkeit der Digitalisierung für sich erkannt, aber hierfür keine eigenen Kapazitäten haben. Und die Entwicklung der regionalen Startup-Szene voranzutreiben: „Wir kennen die Startup-Szene, sind mittendrin“, sagte Malessa. Er vergleiche den Hub gern mit einer Mehrfachsteckdose: „Wir vernetzen und liefern Energie in unterschiedliche Richtungen.“

Im Münsteraner Hub beschäftigen sich Malessa und vier weitere engagierte Köpfe damit, das Netzwerk auszubauen, Kooperationen anzubahnen, bei Gründungen und Digitalisierungsprozessen zu beraten und zu unterstützen. „Alles Leute aus der Wirtschaft für die Wirtschaft“, betonte er.

Hubs gebe es viele, hinter verschlossenen Türen von Unternehmen und Hochschulen, aber keine, die öffentlich und für jedermann zugänglich seien. „Wir verstehen uns als Startrampe für gute Ideen, digitale Projekte und Prototypen. Häufig scheitern die tollsten Einfälle ja an mangelnden Möglichkeiten der Umsetzung. In unserem im Oktober 2017 eröffneten Fable, einer offenen Hightech-Werkstatt mit digitalen Werkzeugen wie 3D-Drucker, Lasercutter, Virtual Reality, CNC-Fräsen, Elektronik etc., hat jeder die Möglichkeit, eigene Ideen und Projekte zu realisieren.“

Weiterhin bietet der Hub Coworking- und Experimentierflächen, Meetups, Workshops, Pitches und Events wie Hackathons und Makeathons sowie Finanzierungsoptionen für Venture Capital und Digitalprojekte. das Land NRW. Die Ideen und Projekte werden vorab durch ein Experten-Gremium geprüft, erklärte Malessa den etwas anderen Förderweg. „Erfüllt ein Bewerber die Kriterien, wird das Projekt ohne Business-Plan von der NRW-Bank gefördert. Die in der Praxis  gewonnenen Erfahrungen erleichtern es anschließend, einen Business-Plan zu erstellen, der auch der Realität standhält.“

NRW habe als erstes Bundesland die Idee der digitalen Hubs in die Praxis umgesetzt. Andere europäische Ländern seien da weit voraus, dort existiere dieses Förderungssystem schon seit längerer Zeit. Und anders als bei dem übrigen NRW-Hub steht hinter dem Kompetenzzentrum mit münsterLAND.digital e.V. ein gemeinnütziger Träger-Verein zur Förderung der digitalen Transformation im Münsterland. Ziel des Vereins ist es, neue Formen der Zusammenarbeit, Firmengründungen, Wettbewerbsvorteile und Wertschöpfung für den Standort Münsterland zu generieren. „Bei uns gibt es keine großen Anteilseigner wie in den übrigen NRW-Hubs. Wir finanzieren uns über per Crowdfunding und versuchen, möglichst viele Interessenten mitzunehmen. Über 70 Unternehmen und Institutionen hatten sich anfangs als Unterstützer gefunden, mittlerweile sind es über 100. „Insgesamt freuen wir uns über eine breite Zustimmung in der regionalen Wirtschaft“, berichtete Malessa.

Die Unternehmen treiben oftmals dringliche Fragen um: Wie finde ich in Zeiten des Online-Handels meine Kunden und wie finden meine Kunden mich? Wie begegne ich den ständig zunehmenden Herausforderungen? Wie finde ich geeignete Mitarbeiter? „Human ist knappste Ressource, stellen wir immer wieder fest. Und die meisten Unternehmen fangen zu spät an, sich Gedanken um die Zukunftsfähigkeit zu machen. Da möchten wir ein Bewusstsein für digitale Möglichkeiten schaffen.“

Digitalisierung dürfe nicht um der Digitalisierung willen stattfinden, sagte Malessa. „Es muss Sinn machen.“ So wie die im November 2017 mit dem Preis der Digitalen Wirtschaft NRW ausgezeichnete Smartphone-App für die Zeiterfassung in Handwerksbetrieben. Der Digital Hub münsterLAND unterstützt das gemeinsame Projekt eines Unternehmens aus dem Handwerk und eines IT-Entwicklers aktuell mit seinem Accelerator-Programm bei der Vernetzung in der regionalen Wirtschaft und der Entwicklung weiterer Anwendungsbereiche.

„Wir stehen nicht im Wettbewerb mit anderen Anbietern wie der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer oder der Technologieförderung. Vielmehr streben wir Kooperation und gegenseitige Unterstützung an. So auch in der Zusammenarbeit mit dem Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Lingen und weiteren angeschlossenen Konsortialpartnern.“ Zusätzlich bemühen sich Malessa und sein Team um Synergien mit verschiedenen Innovationszentren des Münsterlandes wie dem d.velop campus in Gescher, die als Hub-Satteliten das Themen- und Veranstaltungsangebot aufgreifen und flächendeckend zugänglich machen.

Technologien und Prozesse seien nicht das Problem, so Malessa. „Die Herausforderung ist, die Menschen zu gewinnen und mitzunehmen - mit Praxisbeispielen, die zeigen, was möglich ist und was geht.“

 

münsterLAND.digital

 

 

Fotos der Veranstaltung

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