Big Dadaismus - Mit gesundem Menschenverstand durch die Digitalisierung

„Google hat einen Algorithmus entwickelt, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent eine Katze identifizieren kann. Dafür wurden zehn Millionen YouTube-Videos gescannt. Und das soll uns Angst machen?  Der zweijährige Sohn meiner Nachbarin kommt auf nahezu 100 Prozent.“ Gemeinsam mit Vince Ebert, Diplom-Physiker, Wissenschaftskabarettist und Moderator der ARD-Sendung „Wissen vor acht – Werkstatt“, warf der Marketing-Club Münster/Osnabrück im GOP Münster einen etwas anderen Blick auf die Digitalisierung.

 

„Wir leben im Zeitalter der digitalen Hysterie!“ stellte Ebert fest und fragte sich und sein Publikum, ob die Digitalisierung wirklich eine so einschneidende Veränderung bedeute. Ihm gehe diese Hysterie mächtig auf die Nerven, so hip und neu sei dieses Thema nämlich gar nicht.

Ebert erzählte von der verheerende Cholera-Epidemie im London des 19. Jahrhunderts. Die Ärzte waren verzweifelt, niemand wusste zu dem Zeitpunkt, was diese Krankheit auslöst. Ein Mediziner - John Snow – forschte nicht wie alle anderen an der Krankheitsursache, sondern markierte sämtliche Todesfälle auf einem Stadtplan. Snow fiel auf, dass sich die Krankheit um drei Brunnen in der Stadt gruppierte. Und obwohl er nichts über Infektionen oder Bakterien wusste, vermutete er die Ursache in dem Brunnenwasser. Die Brunnen wurden geschlossen und die Epidemie wurde gestoppt. Das Spannende an der Geschichte, so Ebert, sei, dass John Snow bereits vor 150 Jahre vor Google eine Big-Data-Analyse vornahm. Er sammelte Daten, suchte nach Mustern und entdeckte so die Wahrheit.

„Wir Menschen haben schon immer Informationen gesammelt, verarbeitet und weitergegeben“, spannte Ebert den Bogen mit amüsant-pointierten Beispielen vom steinzeitlichen Lagerfeuer als erstem sozialen Netzwerk über seinen Geburtsort im Odenwald bis in das Silicon Valley, wo jeder, der eine eigene Garage mit Tischkicker besitzt, ankündigt, mit einer neuen App die Welt zu verändern.

„Doch kann es sein, dass die Versprechungen, die Visionen und Befürchtungen, die mit der Digitalisierung in Zusammenhang stehen, etwas übertrieben sind?“, fragte Ebert. „Denn solange ein Computer nicht versteht, was er macht, ist er weder intelligent noch kreativ.“ So sei auch die Chance, auf einer Tupper-Party den passenden Partner zu finden, größer als bei Paarship. Letztendlich entscheide nämlich der gleiche Humor über den Erfolg bei der Partnersuche – und nicht, ob Hobbys oder persönliche Daten übereinstimmen. „Computer haben keinen Humor. Und sie sind auch nicht intelligent, kreativ  oder flexibel.“

„Der Mensch kann nichts besonders gut – außer denken“, sprach Ebert die Nische an, die wir im Laufe der Evolution eingenommen haben. Der Tyrannosaurus Rex sei ausgestorben, weil er zu unflexibel war.  Genau das passiere auch mit unflexiblen Unternehmen. Flexibilität sei gefragt, denn Märkte sind nicht vorausschaubar. Auch die Zukunft lasse sich nicht mit Big Data berechnen. „Gerade die Erkenntnis, dass wir nicht alles wissen, macht uns so intelligent und dem Computer überlegen." Denn wir besitzen die Fähigkeit, über die Zukunft nachzudenken, uns Fragen zu stellen, deren Antworten wir noch nicht kennen. Und Mut und Phantasie, die Zukunft zu gestalten.

„Wir müssen vor der digitalen Transformation keine Angst haben. Die Zukunft hat keinen Masterplan! Haben Sie den Mut, Fehler zu machen“, forderte Ebert sein Publikum abschließend auf. „Seien Sie kreativ! Und tun Sie ab und zu einfach mal etwas ganz Bescheuertes!“

 

Vince Ebert

 

 

Fotos der Veranstaltung