THONET - Eine Möbelmarke im Wandel der Zeit

Welche Location eignet sich besser für eine Veranstaltung über die Marke THONET als das Betriebsrestaurant des Hengst Filtration- Unternehmenssitzes? Der weltweit tätige Hersteller von Filtrationslösungen für automobile und industrielle Anwendungen erweiterte im vergangenen Jahr seinen Hauptstandort in Münster um ein mehrgeschossiges Verwaltungsgebäude und stattete die Inneneinrichtung mit Mobiliar des Frankenberger Möbelherstellers THONET aus.

 

Bevor Susanne Korn, Leitung Marketing und Kommunikation bei THONET, dem Marketing-Club Münster/Osnabrück in den Hengst-Räumen einen Einblick in ihr Unternehmen, Produkte und Marketing gab, stellte freiraum-Geschäftsführer Bernhard Borchert den Marketers das Innenraumkonzept des Gebäudes vor. freiraum, ein ebenfalls in Münster ansässiges Planungs- und Einrichtungsteam für Objekt- und Wohnraum, war mit der Aufgabe betraut worden, das Projekt zu konzeptionieren und zu realisieren. Ziel war es, den Charakter des Unternehmens durch den Raumentwurf authentisch abzubilden.

 

Nonverbale Kommunikation durch Interieur

Die Zusammenarbeit mit dem für seine Designklassiker bekannten Möbelhersteller sei ausgesprochen gut gewesen, berichtete Bochert. Multifunktionalität und Kostenorientierung, die nonverbale Kommunikation der Unternehmenswerte, Zeitlosigkeit und Nachhaltigkeit waren einige der Konzeptansprüche. „THONET hat sich sehr um individuelle Lösungen bemüht“, so Borchert weiter und wies auf die in den Hengst-Farben gestaltete Bestuhlung des Betriebsrestaurants hin. „Dank unserer Fertigungsweise können wir flexibel auf Kundenwünsche reagieren: Stückzahl eins ist möglich, ebenso besondere Wünsche in der Farbgestaltung – wie bei Hengst zu sehen“, ergänzte Korn.

Die THONET-Möbel werden im nordhessischen Frankenberg gefertigt. Dort befindet sich nach einer fast 200-jährigen, bewegten Geschichte die einzige, noch in Unternehmensbesitz verbliebene Fabrik. Gegründet wurde das heute 175 Mitarbeiter starke Unternehmen im Jahr 1819 von Michael Thonet. Seine neu entwickelte Bugholz-Technik, einzelne Möbelteile werden aus massivem Holz in heißem Wasserdampf gebogen und mit Schichtholzelementen kombiniert, ermöglichte erstmals die industrielle Serienproduktion von Möbelstücken.

Die Stühle, Tische und Bänke präsentierte Michael Thonet schon damals auf Verkaufsplakaten, Bewerberausstellungen, Katalogen und der Londoner Weltausstellung. Mit Erfolg – Caféhäuser und Restaurants, aber auch Privatpersonen fanden Gefallen an der neuen, leichten Ästhetik der zudem preisgünstigen Möbel. Eine weitere geniale Idee - die Stühle in wenige Einzelteile zerlegt,  mit Schrauben und Muttern in eine Kiste verpackt, an die Käufer verschickt und vor Ort montiert -  sorgte für den unkomplizierten und kostengünstigen Transport und für schnelle Verbreitung.

In den Jahren 1862 bis 1889 eröffnete das Unternehmen sechs weitere Fabriken. Nach dem zweiten Weltkrieg folgten Enteignung und Verlust der im heutigen Tschechien gelegenen Produktionsstandorte, dem familiengeführten Unternehmen blieb nur die Fabrik in Frankenberg erhalten.

 

Kooperation mit dem Bauhaus in Dessau

In den 1920er Jahren ergab sich die Zusammenarbeit mit dem Bauhaus in Dessau. Die dort tätigen Künstler beschäftigten sich mit Design und Bau von Stahlrohrmöbeln und banden THONET in die Fertigung mit ein. Aus dieser Zeit stammen THONETS Produktionsrechte an Entwürfen von Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Mart Stam.

Das Produktportfolio umfasst heute neben den Klassikern aus Bugholz und Stahlrohr Stühle, Sessel und Hocker, Sofas, Tische und Accessoires für die Wohn- und Arbeitswelt und wird stetig, auch in Zusammenarbeit mit namhaften nationalen und internationalen Künstlern, weiterentwickelt.

 

Messen, Events und Online-Marketing

„Wir kümmern uns hauptsächlich um das Live-Marketing, da unser Budget nicht allzu hoch ist“, berichtete Korn, „Messen, Events und Online-Marketing. Zurzeit bieten Messeauftritte für uns die beste Möglichkeit, mit nur begrenztem Einsatz Aufmerksamkeit zu gewinnen.“

Regelmäßig und mehrmals im Jahr ist THONET auf nationalen und europäischen Messen wie der  immcologne und der Orgatec in Köln, der Salonedel Mobile in Mailand oder der Londoner Clerkenwell Design Week vertreten. „In diesem Jahr haben wir unsere Möbel zudem erstmalig auf der Design Shanghai präsentiert“, erzählte Korn. „Wir legen viel Wert auf Wiedererkennbarkeit, daher verändern wir das Standkonzept nicht, passen den Messestand nur den jeweiligen Gegebenheiten an. Unsere Klassiker inszenieren wir als Helden – schon von weitem sichtbar in der Höhe platziert, sorgen sie für Aufmerksamkeit.“ Der Trend gehe dahin, dass die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten immer stärker verschwimmen, die Arbeitswelt sehr viel wohnlicher wird. „Daher haben wir auch unseren letzten Auftritt bei der Orgatec, einer Messe für Office und Objekt, viel wohnlicher und behaglicher gestaltet als früher.“

 

Concept Gallery-Kooperation

Nach Amsterdam, Antwerpen und Düsseldorf eröffnete THONET Ende September auch in Frankfurt eine Concept Gallery. „Derartige Großprojekte sind für kleinere Unternehmen wie uns finanziell eigentlich gar nicht zu stemmen. Deshalb präsentieren wir nach einem selbstentwickelten Showroom-Konzept unsere Möbel gemeinsam mit Produkten weiterer Premium-Marken aus dem Interieurbereich unter einem Dach.“ Events wie Buchvorstellungen in den Showrooms, Ausstellungen und Veranstaltungen bei und mit Kunden und auch lokale Ereignisse wie der Literarische Frühling in Frankenberg werden genutzt, um Marke und Produkte weiter in die Öffentlichkeit zu rücken.

Um THONETs Pressearbeit kümmert sich eine externe PR-Agentur. Dort werden die vielen  Anfragen der Print- und Onlinemedien, von Bloggern, Stylisten, von Online-Medien zu Unternehmen und Möbeln bearbeitet. „Den Printbereich decken wir mit verschiedenen Broschüren mit einem Überblick über unser Sortiment ab.“ Die aktuelle Broschüre sei aus eigener Kraft und ohne Agenturunterstützung entstanden. „Bei der nächsten Ausgabe werden wir aber wieder eine Agentur hinzuziehen, um für neue Ideen und frischen Wind zu sorgen“, sagte Korn.

 

THONET setzt auf Facebook

Aus Kostengründen verzichtet das Unternehmen ebenfalls auf großformatige Anzeigenwerbung in  Fachmagazinen, setzt stattdessen auf das Internet. „Online ist der Bereich, der unser Marketing am stärksten verändert hat.“ Ein großer Vorteil gegenüber der klassischen Werbung sei, die Resonanz direkt messen zu können

Neben der Zusammenarbeit mit Bloggern, ausgesuchten Communities und Fach-Portalen und einem regelmäßigen Newsletter setzen Korn und ihre vierköpfige Mannschaft auf die sozialen Medien, besonders auf Facebook. Bei Facebook haben wir von Anfang an organisches Wachstum angestrebt. Die Inhalte legen wir in einem vier Wochen umfassenden Redaktionsplan fest. Die Themen haben wir zuvor aus unserer Zieldefinition abgeleitet. Ein halbes Jahr lang wurde dann jeder Post analysiert und bewertet nach Likes, nach geteilten Beiträgen, nach neuen Fans.“ Das habe gezeigt, welche der Themen und Inhalte ankommen und welche nicht. „Wir wissen jetzt, welche Infos und Geschichten unsere Fans interessieren“, stellte Korn fest. „Unsere Fangemeinde ist von 17.000 im Januar 2017 auf rund 84.000 angewachsen. Die Facebook-Bilder posten wir gleichzeitig bei Instagram. Dort sind wir ebenfalls schnell gewachsen, ohne dass wir uns jedoch sonderlich bemüht haben.“

Hauptvisitenkarte im Internet ist die Webseite: „Nach dem Relaunch in 2013 ist sie schon wieder veraltet. Das wird unser nächstes großes Projekt“, kündigte Korn an. „Integriert ist auch ein Online-Shop. Der wächst ganz langsam. Die zugehörige Logistik darf man nicht unterschätzen.“ Einbezogen in den Online-Handel werden die stationären Vertriebspartner, um das über lange Zeit gewachsene Vertrauensverhältnis nicht zu gefährden. „Unsere Möbel sind nicht günstig und sie sind eine Anschaffung fürs Leben. Besonders mit unseren Klassikern suchen die Käufer Sicherheit und Beständigkeit. Da wird ein Online-Shop den THONET-Liebhabern niemals ein so intensives Erlebnis bieten können wie der beratungsintensive Kauf vor Ort.“

 

 

Titelbild:

(V.l.) Susanne Korn, Leitung Marketing und Kommunikation - THONET, Thomas Hans, Präsident des Marketing-Clubs Münster/Osnabrück, Gaby Hampel - Leitung Club-Programm, freiraum-Geschäftsführer Bernhard Borchert und Christoph Schings, Group Director Marketing & Communication bei Hengst Filtration.

 

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Fotos der Veranstaltung