Vom Rock‘n Roll zum Protokoll – Dienstleistung in einem weiten Umfeld

Schon zu Schulzeiten war die Musik Carl Cordiers große Leidenschaft. Er sei in Emsdetten aufgewachsen, heute lebe er in Berlin, „eine fantastische Stadt. Aber ich komme regelmäßig und immer wieder gern nach Emsdetten: Die Mischung macht’s!“ Durch einen Klassenkameraden aus dem Musikleistungskurs lernte er Anfang der 1970er Jahre die noch eher unbekannten Udo Lindenberg und Steffi Stephan kennen. Damals, als Bassist bei gemeinsamen Proben, habe er von einer Karriere als Rockstar geträumt. „Geld spielte in meinen Träumen überhaupt keine Rolle, mich hat die Leidenschaft getrieben.“

Dass das Ergebnis dieser Leidenschaft rund 30 Jahre später eine der größten Event-Production-Companies Europas, die POOLgroup GmbH, sein würde, habe er damals nicht geahnt.  Seit 1991 hat Cordier mit seinen Unternehmen viele Künstler aus dem In- und Ausland auf ihren weltweit auf ihren Tourneen begleitet, mehr als 12.000 Konzerte sowie Veranstaltungen nationaler und internationaler Unternehmen betreut und mehr als 450 internationale Regierungsgipfel, Staatsbesuche und Konferenzen auf Regierungsebene als Generalunternehmer geplant und umgesetzt. Als Gast beim JuMPs-Kaminabend gab Carl Cordier seine gesammelten Erfahrungen an die Marketing-Youngsters weiter. Und die erfuhren eine spannende Geschichte, gespickt mit amüsanten Anekdoten und nachdenklichen Untertönen.

Schnell  habe er damals erkennen müssen, dass sein Talent nicht reichte. „Aber mir wichtig war, dabei zu sein und mitzumachen. So habe ich mich halt um die Ausrüstung gekümmert.“  Nach dem Abitur betätigte Cordier sich freiberuflich als Tontechniker für befreundete Bands und legte sich nach und nach hochwertiges Equipment zu. Sein erstes Unternehmen „Westfalen Sound“ gründete er 1978 mit der Idee, Beschallungsanlagen für Konzerte und Tourneen zu vermieten. „Eine guter Plan, aber die Umsetzung war schwierig, denn zu der Zeit ließ sich mit deutscher Rockmusik kein Geld verdienen.“ Und er gab schmunzelnd zu: „Ich war Musiker, aber kein Kaufmann und wusste anfangs nicht mal zwischen Umsatz und Gewinn zu unterscheiden.“

 

Wie komme ich an ein geregeltes Einkommen?

„Irgendwann stellte ich mir die Frage: Wie komme ich an ein geregeltes Einkommen?“ Cordier bewarb sich als Tontechniker bei einem bekannten deutschen Konzertveranstalter. Als echter Westfale mit Durchhaltevermögen ausgestattet, harrte er dort auf dem Flur mit äußerst unbequemen Stühlen aus. Und wie der Zufall es wollte, wurde Ersatz für einen erkrankten Mitarbeiter gesucht. „Da musste ich einen Kompromiss schließen zwischen ideellen Werten und finanziellen Zwängen: Konzerte, die du brauchst, aber Musik, die du nicht magst!“ Eine kleine Notlüge – er habe auch schon mit René Kollo zusammengearbeitet - verhalf ihm zu einem Einsatz bei der anstehenden Howard Carpendale-Tournee. Ein erster Schritt in die Branche, dem viele weitere Engagements bei nationalen und internationalen Künstlern folgten.

Nebenbei habe er immer mehr innovative Veranstaltungstechnik gekauft und verliehen: „Das war damals revolutionär.“  Der große Erfolg – mittlerweile hielt er mit Westfalen Sound 80% der Marktanteile -  forderte eine weitere Entscheidung: Cordier verabschiedete sich vom Mischpult und widmete sich ganz seinem Unternehmen. „Konkurrenz gab es damals jede Menge. Aber niemand war so professionell. Ich habe jeden Tag so lange gearbeitet bis alles fertig war. Und ich habe niemals etwas angeboten, wovon ich keine Ahnung hatte.“ Solche Skills seien damals nicht üblich gewesen. Vier Jahre später war er Marktführer. Und manch ein Musiker habe erst nach Jahren der Zusammenarbeit erstaunt festgestellt, dass die Tonanlage bei den Konzerten in New York aus Deutschland stammte“, erinnerte er sich.

Die Auftritte der von ihm betreuten Künstler öffneten ihm die Türen zu Wirtschaft und Industrie. Immer häufiger verlangten große Unternehmen nach Veranstaltungstechnik und damit verbundenen Dienstleistungen für Aktionärsversammlungen, Produktpräsentationen etc. Mittlerweile verlassen sich zahlreiche  DAX-Unternehmen auf die Expertise der POOLgroup, ebenso die Veranstalter großer Musik-Festivals wie Parookaville und World Club Dome. „Das ist zwar nicht meine Musik, aber die Veranstaltungen machen Spaß.“

 

Alle Kernkompetenzen im eigenen Hause bündeln

Die erste Verpflichtung als Generalunternehmer für eine Großveranstaltung im Jahr 1986 führte zur Idee, alle relevanten Event-Dienstleistungen selbst und aus einer Hand anzubieten. „Ich habe mich immer gefragt: Wer braucht was und welche Nische ist noch nicht besetzt.“ In den nächsten Jahren folgte die Gründung weiterer Unternehmen für Lichttechnik, Veranstaltungsmanagement, Design und elektronische Medienproduktion. Zusätzlich investierte Cordiererheblich in Eigenentwicklung und Anschaffung innovativer Technik. Konsequenterweise wurden im Jahr 2009 alle Einzelunternehmen zur POOLgroup verschmolzen. Am Stammsitz in Emsdetten mit dem 1999 gebauten mehrstöckigen Verwaltungsgebäude und der 7. 000 Quadratmeter große Halle für das umfangreiche Equipment sowie in den Niederlassungen in Berlin, Stuttgart, Frankfurt, München und Düsseldorf  beschäftigt die Firmengruppe heute 152 Festangestellte und bis zu 450 Freiberufler. „Unser Konzept lautet, alle Kernkompetenzen des Veranstaltungsgeschäfts in unserem Hause zu bündeln und jede dieser Kompetenzen mit so vielen Fachleuten und so viel Inspiration wie möglich auszustatten. Freie Mitarbeiter setzen wir nur projektbezogen und ausführend ein.“

Im Berliner Büro befasst sich ein 28 Mitarbeiter starkes Team mit Government und Public Events. Diesen dritten Geschäftszweig neben Show und Entertainment sowie Corporate- und Industrie-Events betreut die POOlgroup seit den 1990er Jahren. Die räumliche Nähe in der Hauptstadt zu Politik und Verwaltung erleichtere die Arbeit. „Bei unserem ersten Einsatz, der KSZE-Konferenz im Berliner Reichstagsgebäude im Jahr 1991, haben wir das Konferenz- und Pressezentrum geplant und umgesetzt. Dort sind wir mit unkonventionellen Lösungen und ganz viel Akribie angetreten - und haben überzeugt.“ Mittlerweile hat die POOLgroup verschiedene Gipfeltreffen als Generalunternehmer ausgerichtet. Eine enorme Herausforderung, wie Cordier erzählte: So habe das Unternehmen, als Deutschland im Jahr 2007 den G7-Vorsitz inne hatte, insgesamt 49 Konferenzen in verschiedenen Ministerien betreut – neben dem normalen Geschäftsalltag.

 

Wir hören unseren Kunden sehr genau zu

Cordier zeigte sich überzeugt, dass Qualität die Quantität auf Dauer schlagen werden. Daher sei Präzision bei allen Aufträgen das Wichtigste. „Wir spielen in der Championsleague. Wir haben immer nur einen Versuch, eine zweite Chance gibt es nicht.“ Die zentrale Frage bei all seinen Überlegungen sei: wie wird die Zukunft, wie wird sich der Markt entwickeln? Viele denken nur von einem Event zum nächsten.  Doch man dürfe nicht stehen bleiben, nicht nur reagieren.  „Daher hören wir unseren Kunden sehr genau zu. Denn die Kunden verraten uns, was sie bewegt, welche Entwicklungen sie in den nächsten zwei bis drei Jahren erwarten. Und darauf stellen wir uns frühzeitig ein.“

Das eher ländliche Lage Emsdettens stelle eine Schwierigkeit bei der Mitarbeitersuche dar. Selbst in Berlin könne nicht mehr jede freie Stelle problemlos besetzt werden. Zwar sei der Event-Manager momentan ein Modeberuf, für den in den vergangenen Jahren verschiedenste Studiengänge konzipiert wurden. Doch ein solches  Studium bezeichnete er als „dummes Zeug und zu 70% vertane Zeit.“ Er bevorzuge die klassische Ausbildung. „Bevor es ans Studieren geht, muss man das Business verstehen. Und in keinem Studium wird gelehrt, mit den Menschen auf der Straße zu tun zu haben.“ Viele Bewerber hätten zudem falsche Vorstellungen von dem Beruf. „Denn wir sind die, die arbeiten, während die Anderen feiern.“

Sicherlich sei eine Karriere wie die seine in der heutigen Zeit kaum noch möglich. Er habe das Glück gehabt, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute getroffen zu haben, blickte er auf 40 Jahren Selbständigkeit zurück. Doch sein Lebensweg sei der Beweis, dass man kein Studium benötigt, um erfolgreich zu sein. „Empathie, Zuhören, Beziehungen aufbauen, Demut, Sorgfalt, konstant gute Leistungen bringen, sich kritisch mit sich selbst auseinander setzen und sich aus der Perspektive der anderen betrachten, Entscheidungen überschlafen“, zählte er die Skills auf, auf die es ankomme. „Das Wichtigste ist die Leidenschaft für das, was Ihr tut!“, mahnte er. So wie bei den zwei Auszubildenden für Veranstaltungstechnik, die es von Hamburg ins beschauliche Emsdetten gezogen habe – wegen der vielen Möglichkeiten, die die POOLgroup ihnen dort biete.

Seine Leidenschaft für Rockmusik habe übrigens nicht nachgelassen, schloss Cordier seine Erzählung. Er spiele wieder regelmäßig in einer Band, den „POOL Allstars“. So habe sich sein Traum doch noch verwirklicht…

 

 POOLgroup

 

 

Fotos der Veranstaltung

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