Juniorenabend: Wertschöpfung durch Wertschätzung - nur miteinander geht das!

„Seit jeher hatte der Chef bei Münstermann die Lohnabrechnungen persönlich an die Mitarbeiter ausgehändigt. Als mein Sohn die Geschäftsleitung übernahm, übertrug er den Abteilungsleitern diese Aufgabe – um sie nach zwei Monaten wieder selbst zu übernehmen. Schnell hatte er gemerkt, wie viel Nähe und Wertschätzung für die Arbeit des Einzelnen sich damit ausdrücken lassen.“

Diese Anekdote berichtete Magdalena Münstermann den JuMPs des Marketing-Clubs Münster/Osnabrück. Als Mitglied der Geschäftsleitung im familieneigenen Maschinenbaubetrieb Bernd Münstermann GmbH & Co. KG war sie der Einladung der Club-Junioren gefolgt, um über ihre Erfahrungen mit der „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ zu erzählen.

Begonnen hatte das Unternehmen, das in mittlerweile sechster Generation geführt wird, als Hufschmiede mit drei Mitarbeitern in Alverskirchen bei Münster. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem Kleinbetrieb eine Bauschlosserei.  Nach dem Umzug nach Telgte-Westbevern expandierte das Unternehmen und gehört heute mit seinen rund 260 Mitarbeitern zu den führenden Sondermaschinenbauern für industrielle Trocknungs- und Wärmebehandlungsanlagen inklusive der zugehörigen Förder- und Filtertechnik.

 

Wie können wir uns besser aufstellen?

„Als zu Beginn der 2000er Jahre die Maschinenbau-Branche eine schwierige Zeit durchlebte, viele Konkurrenz-Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten und schließen mussten, haben wir uns mit der Frage beschäftigt: Wie können wir uns besser aufstellen?“,  blickte Münstermann zurück.

Die Antwort fanden die Münstermanns in einer von gegenseitigem Respekt getragenen, wertschätzenden Unternehmenskultur.  „Wir sind ein Familienbetrieb, Respekt und Wertschätzung   gehörten von Beginn an zum täglichen Miteinander“, erzählte die Lehrerin, die nach zwei Jahren Schuldienst in das Unternehmen eingetreten war und die Lohn- und Finanzbuchhaltung übernommen hatte. Heute liegen die Schwerpunkte ihrer Arbeit in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Corporate Social Responsibility.

„Wertschätzung beginnt mit der offenen und ehrlichen Kommunikation“, erzählte sie aus dem Unternehmensalltag. „Bei uns werden die einzelnen Projekte von spezifisch zusammengestellten Teams bearbeitet. Regelmäßig besprechen sich die Teams in der „Mittwochsrunde“ fach- und bereichsübergreifend zu den Aufträgen.“ Dabei werden allen Teammitgliedern sämtliche Informationen offen gelegt, über den Verlauf der Projekte, über Probleme und über die Kosten. „Wir stellen immer wieder fest, dass unsere Mitarbeiter mitdenken und Verantwortung übernehmen wollen. Das fördern wir, denn das gemeinsame Denken fördert unser Unternehmen.“

Die Projekte im Sondermaschinenbau sind speziell, die Anlagen individuell auf den Kunden bzw. die Aufgabe zugeschnitten. Da werde jeder gebraucht, die Älteren mit ihren Erfahrungen und die Jungen mit neuen Ideen und Wissen. Von den gemischten Teams profitieren letztendlich alle: „Der Wert dessen, was ein Facharbeiter weiß, ist enorm - für uns und unsere Auftraggeber.“

 

Der Wert der Familie wird groß geschrieben

Der Umgang miteinander bei Münstermann ist persönlich, die Per-Du-Kultur habe man seit jeher beibehalten. „Für die Auszubildenden ist das immer eine Schrecksekunde, wenn wir Ihnen gleich zu Beginn das „Du“ anbieten“, schmunzelte Münstermann. Doch beschränkt sich das achtsame Miteinander nicht nur auf den Arbeitsalltag: „Wir nehmen Rücksicht auf das weitere Lebensumfeld, unsere Mitarbeiter: Familie, Verein, Ehrenamt – das ist bei uns wie auf dem Dorf.“ So sind die Führungskräfte stets im Werk präsent und suchen das Gespräch mit den Mitarbeitern – auch über Privates. „Miteinander zu reden und voneinander zu wissen führt zu Vertrauen und Zusammenhalt. Bei Problem finden wir gemeinsam eine Lösung!“ Nicht immer lassen sich beispielsweise berufliche Verpflichtungen und Familie reibungslos vereinbaren. Dass eine eigene Familie Arbeit bedeute, müsse ihr keiner mehr erzählen, sagte die vierfache Mutter aus eigener Erfahrung. „Kinder oder pflegebedürftige Angehörige sind keine Maschinen, die sich nach Wunsch an- und ausstellen lassen. Da begrüßen wir Möglichkeiten wie die Elternzeit oder flexible Arbeitszeiten, mit denen sich recht unkompliziert Abhilfe schaffen lassen.“

„Weiterhin haben wir uns gefragt, welches Kind heute noch weiß, wo die Eltern arbeiten, was sie dort machen." So veranstaltet das Unternehmen in vierjährigem Turnus einen Familientag. Dann erleben die Familien der Mitarbeiter, wo und wie die Eltern oder der Partner tätig sind. Auf diese Weise gelinge es , dass die Familien sich auch selbst mit dem Unternehmen stärker identifizieren und Verständnis entwickeln für besondere Anforderungen wie Abwesenheiten bei Montagen, Überstunden etc.  Auch weitere Aktionen für die Mitarbeiter und Angehörigen führen zu mehr Gemeinsamkeit und Zusammenhalt. So habe das Unternehmen im vergangenen Advent für Mitarbeiter und deren Familien eine Buchhandlung gemietet. Dort ließ es sich in Ruhe in den Büchern schmökern, Weihnachtsgeschenke aussuchen und kaufen.

 

Sport schafft Gemeinschaft

Nach dem Motto „Sport verbindet“ sind die Münstermänner – von der Putzfrau bis zum Chef - gemeinsam aktiv. „Denn nicht zuletzt tragen die physische und psychische Gesundheit zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei“, erklärte Magdalena Münstermann. Lauf- oder Radrenn-Wettbewerbe bieten immer wieder Anlässe, vorher gemeinsam zu trainieren oder die vom Sportbeauftragten organisierten Firmen-Mannschaften anzufeuern. „In unserem Ort unterstützen wir verschiedene Vereine und Mannschaften mit Trikots oder Ausrüstung. Im Gegenzug stellen die Vereine unseren Münstermann-Mannschaften ihre Trainer zur Verfügung“, berichtete sie von der gelungenen Kooperation mit den Sportvereinen der Umgebung.  „An einem Samstag haben wir auf die Idee eines Mitarbeiters hin in einer unserer Werkshallen Spinning-Räder aufgestellt und für alle Mitarbeiter und deren Familien einen Spinning-Tag mit anschließendem Grillen angeboten. Events wie dieses kommen sehr gut an.“

 

Mitarbeiter neugierig halten, mit Neuem konfrontieren

Das Bemühen um die berufliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter sehen die Münstermanns als einen weiteren wesentlichen Bestandteil der Wertschätzung. "Fortbildung bedeutet, die Mitarbeiter neugierig zu halten, mit Neuem zu konfrontieren. Die Weiterentwicklung findet auf horizontaler und vertikaler Ebene statt. Wir versuchen stets, die verschiedenen Talente zu berücksichtigen und zu fördern." So könne zwar nicht jeder zum Konstruktionsleiter aufsteigen, aber jedem Interessierten werde die Möglichkeit geboten, sich fortzubilden und Spezialwissen zu erwerben geboten.

In den Büros wie auch den Projektteams setzt das Maschinenbauunternehmen gezielt Azubis, Berufseinsteiger und -erfahrene gemeinsam ein: „...um interne Routinen zu knacken, den fachlichen Austausch zu fördern und frischen Wind in die Abteilungen zu bringen.“

Ausgebildet wird bei Münstermann seit 1979. „ Aktuell beschäftigen wir 23 Auszubildende für die Berufe  des Metallbauers und Technischen Produktdesigners.“  EinenTeil der Arbeitszeit, Materialien und Know-How stellt das Unternehmen den Auszubildenden für ein gemeinsames Jahresprojekt zur Verfügung. „Nach einem selbst geplanten und gebauten Offroad-Kart freuen wir uns in diesem Jahr auf einen Pizza-Ofen“, verriet Magdalena Münstermann. Lernen und Anwendung von Wissen und Fähigkeiten, Team- wie auch Persönlichkeitsbildung geschehen so ganz leicht und nebenbei, während die Azubis mit großer Motivation zu Werke gehen. „Diese Projekte bringen immer wieder eine tolle Gemeinschaft hervor. Und wir sehen immer wieder, dass die Azubis Verantwortung übernehmen und sich kümmern wollen.“  

In  einem vierwöchigen Praktikum im Ausland erhält  jeder Auszubildende  die Gelegenheit, an den dortigen Projekten mitzuarbeiten. „Die Azubis lernen dort nicht nur das eigentliche Auslandsgeschäft kennen. Sie sammeln ganz nebenbei interkulturelle Erfahrungen, schauen über den Tellerrand.“  Zurück in Telgte berichtet jeder den Kollegen in einer Präsentation über seine Erlebnisse. Vielfach übertragen sich dabei auch die neugewonnenen positiven Einstellungen hinsichtlich ausländischer Mitarbeiter, Arbeits- und Lebensweisen auf die Kollegen, so dass Vorurteile abgebaut werden.

„Unsere Ausbildungsplätze sind begehrt und schon weit im Voraus vergeben“, berichtete Münstermann. Bei der Auswahl der Azubis verlasse sich das Unternehmen auf das eigene Gespür: „Ein Zeugnis sagt nichts über den Menschen aus!“ So schnuppern die Bewerber zuerst in einem Praktikum in den angestrebten Beruf hinein, am Ende steht die Besprechung mit dem Vorgesetzten. Davon profitieren beide: „Wir können uns einen ersten Eindruck von dem Bewerber verschaffen und der Bewerber stellt fest, ob ihm der angestrebte Beruf und unser Unternehmen überhaupt gefallen.“ Zukünftige Arbeitnehmer absolvieren ebenso eine Probetag, bei dem sie das Unternehmen, die Tätigkeit und die Kollegen kennen lernen. Der Arbeitskräftemangel stelle trotz der ländlichen Lage kein Problem dar, wie Magdalena Münstermann auf Nachfrage verriet: „Es gibt immer genügend gute Bewerber sowohl auf freie Facharbeiter-Stellen als auch auf Management-Stellen." Hier helfe neben dem Unternehmensimmage auch die Nähe zu Münster als positiver Standortfaktor.

 

„Telgter Modell“ ein Erfolgsmodell

Eine Herzenangelegenheit hat die frühere Lehrerin in den vergangenen Jahren mit dem „Telgter Modell“ verwirklicht. Im Jahr 2008 initiierte sie in Zusammenarbeit mit den Telgter Schulen, der Verwaltung und sieben weiteren Unternehmen – heute sind bereits  über 90 Firmen dabei - die Vernetzung von Wirtschaft und Schulen. Das Telgter Modell eröffnet den Schülern die Möglichkeit, in Unternehmenspraktika praxisnah die in der Schule erlernte Theorie zu erproben, in die vielfältige Berufswelt hinein zu schnuppern und so die spätere Berufswahl zu erleichtern.

"Eine wertschätzende Unternehmenskultur ist eine Angelegenheit der Führung, dort muss die Haltung stimmen. Das kann man nicht anordnen oder theoretisch erlernen, man muss es ganz einfach als Vorbild leben."  Mit Begeisterung, gegenseitigem Respekt, Zutrauen und Vertrauen lasse sich viel  bewegen, fasste Münstermann zusammen. „Ob Betriebliches Vorschlagswesen oder die Fehlermeldekultur: da verschließt sich keiner, jeder hat das Gefühl, ich gehöre dazu.“

 

Wir sind auf dem richtigen Weg

„Es sind die vielen Kleinigkeiten im Unternehmensalltag. Und oftmals sind diese nicht mal teuer . Wir müssen nur wollen“, forderte sie ihr Publikum auf, alte Werte und Strukturen neu zu denken.

Die Wirkung sei enorm erzählte sie. Die Mitarbeiter zeichnen sich durch eine sehr hohe Bindung an das Unternehmen aus, Fluktuation wäre nahezu gar nicht vorhanden, die Krankenstände normal. Eine Umfrage in der Belegschaft  im Rahmen einer Bachelor-Arbeit ergab ein hohes Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit zum Unternehmen. Die Zusammengehörigkeit zeige sich auch in der Bereitschaft, auf Vorteile zu verzichten, wie Münstermann an einem Beispiel erzählte: „Seit zehn Jahren erhalten unsere Mitarbeiter als Zeichen der Wertschätzung ein zusätzliches Gehalt. Nach der ersten Auszahlung, die sich an den Monatsgehältern orientierte,  machten die Mitarbeiter der höheren Gehaltsklassen den Vorschlag, diese Zuwendung unabhängig von Position und Aufgabengebiet  für jeden in derselben Höhe auszuzahlen. Somit verzichten sie auf einen Teil des Geldes, während die Zuwendung an die weniger verdienenden Kollegen aufgewertet wurde. Solch ein Miteinander macht uns stolz und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Fertig ist man aber nie, neue Herausforderungen gibt es immer. „Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung benötigen wir alle ein gutes soziales und emotionales Miteinander. Denn das ist es, was uns Menschen ausmacht!“

 

Bernd Münstermann GmbH & Co. KG

 

 

Fotos der Veranstaltung

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Fotos: husare