Münster4Life - Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation

Ideen! Mut! Machen! Und dranbleiben! So lautet das Erfolgsrezept von Michael „Mike“ Schmitz und Jonas Hofmann, den beiden Köpfe hinter Münster4 Life, dem Online-Magazin für und rund um Münster. Wirklich geplant sei der Weg von Münster4Life nicht gewesen, erzählten die zwei Filmspezialisten den Junioren des Marketing-Clubs Münster/Osnabrück e.V. in der Emsdettener Kommunikationsagentur husare. Mit dabei hatten sie viele Tipps und Empfehlungen für den Einsatz von bewegten und bewegenden Bildern in der Unternehmenskommunikation.

Angefangen hatte alles in Berlin. Den gebürtigen Münsteraner Mike Schmitz hatte es nach der Schulzeit in die Hauptstadt verschlagen, dort war er mit verschiedenen Jobs in der Musik- & Entertainment-Branche unterwegs. Doch ihn plagte das Heimweh, er vermisste seine Heimatstadt. Auch das Logo mit dem Schriftzug „Münster4Life“  – „Münster, ein Leben lang“, das ein befreundeter Grafiker für ihn entworfen hatte, reichte nicht. Den Plan, von Berlin aus per Social Media „etwas über Münster zu machen“, verwarf Schmitz wieder, dazu sei er nicht genügend nah dran gewesen. So kehrte er zurück in die westfälische Domstadt, gründete das Online-Magazin „Münster4Life“ und begann, über Stadt, Leute und Veranstaltungen zu berichten.

Das Geld für selbstproduzierten Content war knapp und Schmitz ständig auf der Suche nach verwertbaren Inhalten. Bei YouTube fiel ihm ein Timelapse(Zeitraffer)-Video über Münster auf, gedreht von Jonas Hofmann. Während einer Tournee mit dem Schulchor entdeckte dieser die Liebe zur Fotografie. Dem Schulabschluss ließ er zwar eine Ausbildung zum Fotografen folgen, doch Hofmann sah in der süddeutschenProvinz keine Perspektive, sich zu verwirklichen. Er zog durch die Welt, landete irgendwann in Münster und ging dort seiner großen Leidenschaft nach: er drehte Timelaps-Videos, die er bei YouTube veröffentlichte. Schmitz kontaktierte Hofmann und es funkte zwischen den beiden - die Zusammenarbeit war beschlossene Sache.

Wer schaut denn schon YouTube-Videos aus Münster?

„Wir sind dann losgezogen und haben gefilmt“, erzählte Schmitz weiter.  Die Frage, wer denn schon YouTube-Videos aus und über Münster anschaue, habe sich schnell beantwortet. Seit dem Start bei YouTube im August 2010 sei Münster4Life von mehr als 6.500 Usern abonniert, die Videos über 4.340.000 mal aufgerufen worden. Das ergebe, würde man die Zeitdauer, die zum Anschauen der Videos aufgewendet wurde, aneinander reihen, zwölf Jahre am Stück. Bald gesellten sich zu Online-Magazin und YouTube-Kanal eigene Facebook- und Instagram-Auftritte, auf der sie zusätzlich emotional berührende Bilder und Geschichten aus Münster veröffentlichten.

„Wir hatten keine abgeschlossene Ausbildung. All das, was wir heute können, haben wir uns selbst beigebracht,“ beschrieb Schmitz ihren Werdegang als „kompletten Risikoweg“. Ein Konzept habe es nicht gegeben und auch keinen Redaktionsplan, nur freies und kreatives Arbeiten. „Wir haben einfach aus dem Bauch heraus gemacht und gehofft, dass andere es genauso gut finden wie wir…“

Der erhoffte Schneeballeffekt trat ein: User wurden zu Fans und Fans zu Multiplikatoren. Das Motto „Münster4Life“ habe sich als Glücksgriff erwiesen, denn damit könne sich jeder Münster-Fan auf eigene Weise identifizieren, es sei nicht näher definiert oder eingegrenzt. Sicherlich ein Grund, warum die im eigenen Online-Shop vertriebenen Shirts und Kappen mit dem Logo-Aufdruck solch großen Anklang finden. Bald schon posteten Fans  aus der ganzen Welt Bilder, auf denen sie mit Münster4Life-Kleidung abgelichtet waren. Bereits Ende 2012 hatten Münster4Lifes Fanzahlen bei Facebook die anderer Medien- und Community-Seiten aus dem Münsterland weit abgehängt. Dazu beigetragen haben Postings emotionalisierender Stadt-Ansichten und spontan geschossener Bilder, wie das der Limousine von Bundespräsident Gauck bei dessen Münster-Besuch Ende 2013. "Der Wagen fuhr an mir vorbei und ich habe ihn fotografiert. Das Bild gefällt über 1.700 Personen, die organische Reichweite liegt bei mittlerweile mehr als 118.000 Personen." Heute sei es zwar ungleich schwieriger als damals, auf Facebook eine Marke nach vorne zu bringen, zumindest ohne bezahlte Werbung. Doch Reichweite sei ohnehin nicht alles, merkte Schmitz an. „Qualität ist alles!“

Qualität ist alles!

Die Qualität ihrer Produktionen sprach sich schnell herum. Als Fans des SC Preußen 06 e. V. Münster hatten Schmitz und Hofmann regelmäßig  die Spiele der Fußball-Elf im Preußen-Stadion gefilmt. Plötzlich fragten überregionale Fernsehsender wegen Filmmaterial für die Fußballberichterstattung an. Die ersten Aufträge regionaler Unternehmen für Imagefilme und Recruiting-Videos folgten. Die Kunden vertrauen auf das Know-How und die Intuition der beiden. „Der Kunde muss wissen, was er will. Das klären wir vorab in Gesprächen.“ Manch einer verlange beispielsweise ein virales Video. Doch, führte Schmitz aus, Viralität sei kaum planbar. Und was bringe sie einem Unternehmen, das lediglich im Münsterland aktiv ist?

Selten werde bei Produktionen auf ausgefeilte Drehpläne zurückgegriffen: „Man verpasst den spontanen Moment, wir sind gern flexibel, improvisieren und bauen Dinge mit ein, die unvorhergesehen nebenan passieren. Eigentlich unspektakuläre Themen durch Ideen und technische Finessen spannend darzustellen, das reizt uns und fordert uns heraus.“ Und er könne beobachten, dass besonders die großen Unternehmen zunehmend mutiger werden und vom Standardweg abweichen.

Als Beispiel für die Wirkung der „kleinen spontanen Momente“ nannte Schmitz den Imagefilm und die vielen kurzen Videos, die die Stimmung vor und während der Heimspiele des Volleyball-Vereins USC Münster nach außen transportierten. „Mit solchen Aufnahmen ist wesentlich größere Agilität möglich - beim USC Münster, der mit schwindendem öffentlichen Interesse zu kämpfen hatte, führten sie zum besten Zuschauerschnitt seit fünf Jahren. „Videos sind authentischer und ehrlicher als Fotos, die viel leichter technisch manipuliert werden können“, erklärte Schmitz, warum Bewegtbild so viele Menschen anspricht. Mit dem Zusammenspiel von Musik und Bild könne man starke Emotionen hervorrufen.

Eigentlich keine Arbeit - pure Leidenschaft

Münster4Life gibt es seit mittlerweile fünf Jahren. Wenn man Bilder liebe, sei es noch immer keine Arbeit, sondern pure Leidenschaft. „Wir haben viele Videos aus Spaß für uns selbst gemacht, zum Beispiel „Mein Münster“ - eine musikalische Hommage von Soulman Seether an Westfalen-Metropole. Oder das Münsteraner Happy-Video.“ Eine spontane Aktion, nach nur 12 Stunden Dreh- und Produktionszeit sei es online gegangen. Münster ist happy - Stand heute: 760.000 Plays, 4694 positive Bewertungen, die Wiedergabezeit beträgt mehr als 1.700.000 Minuten. Ein besonderes Steckenpferd der beiden sind Reisevideos, in vielen Ecken der Welt haben Schmitz und Kaufmann schon gedreht. Mit der heutigen Technik sei extrem viel machbar, vor 20 Jahren wäre alles wesentlich aufwendiger gewesen, erzählte Hofmann über die Arbeiten zu einem Film über Südafrika, den er in Teilen aus luftiger Position aus dem Helikopter gedreht hatte…

Nach wie vor machen die zwei alles selbst, auch die neue Website, unverzichtbar als Basis und permanente Visitenkarte im Web. Zwar würden die Kunden oftmals durch die Timelapse-Videos auf Münster4Life aufmerksam und über Links auf Landing-Pages geleitet. Doch Einträge bei Facebook, YouTube und Co. seien vergänglich, die Website bleibe. Von Vorteil sei es, ein Zwei-Mann-Team zu sein: Flexibles Arbeiten, flexible Reaktionen und geringe Fixkosten lediglich für die technische Ausrüstung und ein kleines Büro am Münsteraner Hafenweg. Als neuesten Erfolg können Schmitz und Hofmann die Integration ihres Online-Magazins in die „münster:app“ der Stadtwerke Münster verbuchen, die sie nicht nur als Wertschätzung ihrer Arbeit sehen, sondern auch als weiteren großen Multiplikator begrüßen.

„Aber das Wichtigste, schloss Schmitz seine Ausführungen, sei: Münster4Life ist nicht nur ein Cash-Job, es macht auch noch riesigen Spaß!“

 


Münster4Life

 

 

Fotos der Veranstaltung

Fotos: Oberheim