Kino - Quo Vadis? Ein digitalisiertes Medium im Wandel der Zeit...

„Das Schönste am Kino war früher die Werbung, da wurden wahre Kunstwerke in 35 Millimetern gezeigt!“ Mit diesen Worten kündigte Albert Hirsch, Vizepräsident des Marketing-Clubs Münster/Osnabrück, den Referenten des Abends an: Dirk Mittmann von Weischer.Regio. Als Geschäftsführer des zur Firmengruppe Weischer.Media gehörenden Leinwandvermarkters mit regionalem Schwerpunkt führte dieser die Marketers in die Welt des Kinos ein – des, laut Mittmann, aufregendstem Werbeumfeldes der Welt. „Kino hat Geschichten, Emotionen, Menschen – Kino hat Wirkung!“ Und mit der Digitalisierung hätten sich der Werbung im Kino ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

„Früher war alles ganz einfach, die Werbeplätze vor dem Hauptfilm waren stark umkämpft. Da hieß es: Buchen Sie mal alle Kinos ab Besucherstaffel 4 in Orten ab 100.000 Einwohnern!“ Jeder erinnere sich doch sicherlich noch die typischen Werbespots für Jeans, Tabak, Alkohol, Eiskonfekt? Diese hätten andere Werbemedien nur ergänzt, angesprochen worden wäre die junge Zielgruppe. „Denn ab einem Alter von 30 – 35 Jahren fand Kino gar nicht mehr statt.“

Mehrfach sei das Medium Kino in den vergangenen Jahrzehnten unter Druck geraten und totgeredet worden. Immer wieder hätte es Diskussionen gegeben über die Entwicklung der Eintrittspreise und des Alters der Zuschauer, über die Konkurrenz durch Privatfernsehen, Video, hochtechnisierte TV-Geräte, Internet und Streamingdienste. Reagiert hätte das Kino - und sich mit der Aufteilung der Kinosäle in kleinere Vorführräume, dann der Entstehung der Multiplexe und mit neuen Angeboten für zusätzliche demographische Zielgruppen stets neu erfunden.

Weiterentwickelt hätte sich ebenfalls die Vermarktung der Kinowerbung. Seit einigen Jahren werden die Werbefilmeplätze nach inhaltlichen Umfeldern, regionalen Kriterien, konkreten Zielgruppen, Leistungswerten und tatsächlichen Kontakten angeboten. Die Buchungen werden nicht mehr traditionell nach Sälen vorgenommen, sondern abgestimmt auf einzelne Filme oder Film-Cluster. Die Abrechnung erfolge nun kontaktbasiert und daher transparent und genau. Mit positiven Auswirkungen: Weischer.Media könne seit 2010 einen Anstieg der Werbe-Umsätze um 50 % verzeichnen. Auch die gesamte Kinobranche befinde sich wieder im Aufwind...

Als „Markt-Revolution“ bezeichnete der Fachmann für Kinowerbung den Einzug der Digitalisierung: Nicht nur Spielfilme können so günstiger und schneller produziert und in mehrere Kinosäle gleichzeitig übertragen werden. Auch den Machern der Werbung eröffne der technische Fortschritt durch günstigere Produktionskosten und wesentlich kürzere Vorlaufzeiten ganz neue Möglichkeiten. „Die Werbefilmproduktionen sind schon schnell geworden, müssen aber noch schneller werden. Früher hatte ein Spot eine Vorlaufzeit von acht Wochen. Unser angepeiltes Minimum sind fünf Tage, acht schaffen wir momentan.“

Weischer.Media trete nicht mehr nur als Mittler auf, sondern entwickle, produziere und vermarkte die Kampagnen komplett selbst. An einigen Spots demonstrierte Mittmann, wie die Werbestories zielgruppengerichtet nach der jeweiligen Markenbotschaft passend zum eigentlichen Film entwickelt worden waren. Die Spots werden ohne Streuverluste nach bestimmten Grundrastern wie Geschlecht, Alter oder Anspruch des Publikums ausgesteuert. Zusätzlich medienübergreifend publizierter Branded Content in Form von Vorberichterstattung und Making-ofs sowie Below-The-Line-Aktivitäten wie Special Ads oder Online-Spiele lasse die Kinowerbung für die Zuschauer zu einem Rund-um-Erlebnis werden. Zur Zeit konzentriere man sich auf Premium-Kinos im XXL-Format mit Angeboten in exklusivem Ambiente für die Zielgruppe 30+.  „Prosecco statt Cola“ laute das Leitmotiv des Premium-Segments, das noch stärker ausgebaut werden solle. Der Trend gehe hier zu leiser und dezenter Werbung.

„In den kommenden Jahren werden uns Flexibiltät, Schnelligkeit und Transparenz bewegen“, richtete Mittmann den Blick in die Zukunft. Ganz neue, nahezu ungeahnte Möglichkeiten werden sich der Kinowerbung eröffnen: Zielgruppenscharf werden die Spots nach Faktoren wie Zeitschienen, Wochentagen oder dem Wetter ausgespielt werden. Und das klassische Zuschauerkino werde sich zum Erlebnis- und Mitmach-Kino wandeln: Ähnlich wie im Horror-Trailer „13th Street – Last Call“ werden die Kinobesucher interaktiv in den Dialog mit der Marke treten und die Handlung des Werbefilms beeinflussen können. „Die Königsklasse – aber wollen wir diese Entwicklung wirklich?“, kommentierte der Kinofachmann und seit jungen Jahren begeisterte Cineast die Aussichten. „Wir werden in unserer Branche noch große Diskussionen über die Zukunft führen...!“

 

Weischer.Media 

 

 

Bilder der Veranstaltung

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Fotos: Oberheim