Mark Bourichter: Die Wollmilchsau im Dornröschenschlaf - Social Media im Mittelstand

„Denken Sie online!“, forderte Mark Bourichter sein Publikum vom Marketing-Club Münster/Osnabrück auf.

Bourichter, Seniorberater in den Bereichen PR und Social Media und Gewinner des Deutschen Preises für Onlinekommunikation 2014 für sein Online-Magazin für Väter, fasste seine Erfahrungen zusammen: „Das Internet ist die sprichwörtlich eierlegende Wollmilchsau, bietet Marken und Unternehmen riesengroßes Potential.“

Im vergangenen Jahr waren laut ARD/ZDF-Onlinestudie bereits 79 % der Deutschen 2014 online. Und sehe ein Unternehmen seine Marke nicht als Idee oder Versprechen, sondern als die Summe aller Interaktionen und Erfahrungen, die ein Interessent mit eben dieser Marke habe oder mache, komme es an einer eigenen Digitalstrategie nicht vorbei, führte Bourichter aus.

„Doch wer online unterwegs ist, muss sich bewusst werden: Man muss am Ball bleiben, permanent interagieren, darf sich nicht einigeln oder lediglich kampagnenhaft denken!“ warnte der Online-Experte. „Heute teilen die Kunden ihre Erfahrungen, machen sie öffentlich, da ist Interaktion gefragt.“ Dabei sei Social Media im Online-Marketing nur ein Baustein neben vielen anderen wie Suchmaschinen-Marketing, Inbound-Marketing, Mobile-Advertising, E-Mail-Marketing… Das Internet funktioniere wie ein Satz verschiedener Zahnräder, die bewegt werden müssten: „Erst dann, wenn ich alles zusammenfügt habe und alle Räder ineinander greifen, kann ich einen Mehrwert daraus ziehen.“

Im Zentrum der Digitalstrategie stünde die eigene Webseite oder auch der Corporate-Blog. „Eine Webseite nur zu haben, reicht heute nicht mehr aus.“ Suchmaschinenoptimierung und regelmäßig neue Inhalte machen die Seite interessant und im Netz auffindbar.  Und da immer mehr Nutzer mit dem Smartphone oder Tablet im Internet unterwegs seien - die mobile Nutzung des Internets erlebe seit einigen Jahren einen wahren Höhenflug und sei seit 2009 um fast 40 % gestiegen -  sollte die eigene Seite auch auf unterschiedlichen Mobilgeräten optimal darstellbar sein.

An Beispielen mehrerer Unternehmens-Webseiten zeigte Bourichter den Clubmitgliedern verschiedene On-Page-Stellschrauben auf, die richtig justiert die Position einer Website im unbezahlten Suchmaschinen-Ranking optimieren können.

„Google mag Wörter, also Content. Weit vorn gelistete Seiten weisen im Schnitt mehr Text und auch eine höhere Anzahl an Medienintegrationen auf als noch 2012 und 2013“ fasste der Online-Experte eine Studie von Internetworld.de zusammen. „Doch welcher Content gehört eigentlich auf eine Webseite? Mit welchen Inhalten können Sie Ihre Zielgruppen erreichen und erweitern?"

Storytelling hieße hier das Stichwort. „Berichten Sie über Neuigkeiten in Ihrem Unternehmen und in Ihrer Branche. Über Innovationen, Awards, Service oder Sponsoring! Lassen Sie Mitarbeiter erzählen über deren Arbeit! Beiträge von Auszubildenden eignen sich hervorragend für Employer Branding und Recruiting.... Jedes Unternehmen hat Geschichten. Sie liegen auf der Straße, müssen nur eingesammelt werden.“ Links zu Veröffentlichungen in Online-Fachmagazinen sorgen zudem dafür, dass deren Inhalt dauerhaft auffindbar seien. Denn die gedruckte Version wandere irgendwann in den Papierkorb, online bleibe der Inhalt dauerhaft erreichbar.

Ein Lehrbuchbeispiel für gutes Storytelling führte Bourichter mit LEGO an: Im Jahr 2004 fast pleite sei der Hersteller der bunten Plastikbausteinchen mit Geschichten über seine Themenwelten und das Unternehmen selbst wieder aufgestiegen zum mittlerweile zweit größten Spielwarenhersteller der Welt.

„Installieren Sie Social Plugins!“, empfahl der Social Media-Experte. „Geben Sie den Besuchern Ihrer Webseite die Möglichkeit, mit Ihnen zu interagieren und Sie weiter zu empfehlen über die verschiedenen Social Media-Kanäle!“ Denn in den sozialen Medien finde das echte Geschichtenerzählen statt, sie seien das Lagerfeuer der Neuzeit. Über Social Media könne eine unglaubliche Reichweite erzielt werden – nicht nur bei den eigentlichen Marken-Fans. Redakteure, freie Journalisten und Blogger, die diese Kanäle zu Recherchezwecken nutzen, werden dort auf Produkte und Informationen aufmerksam und häufig zu Multiplikatoren des Contents. „Und das alles auch noch kostengünstiger als die klassische Werbung: Vergleichen Sie mal die Kosten für ein Testprodukt, das Sie einem Blogger zur Verfügung stellen, mit denen einer Werbeanzeige in einem Fachmagazin!“, forderte er die Marketers auf. Zusätzlich könne man wiederum die Blogger-Beiträge als Content für die eigenen Kanäle nutzen.

Als neue virtuelle Währung bezeichnete Bourichter die Social Signals, also die Likes bei Facebook oder die +1 bei Google+. Sie zeigen an, welche Seiten und Inhalte interessant sind, was wiederum zu größerer Beachtung, Reichweite und Reputation von Unternehmen oder Marke führe. Zudem beginne Google, diese Signale als Bewertungsfaktor in das Suchmaschinenranking mit einzubeziehen. So verbessere sich auch die Auffindbarkeit der eigenen Seite bzw. Inhalte.

Dass Social Media eine wahre Goldgrube darstelle, sei vielen Unternehmen noch gar nicht bewusst: Das neue Gold seien die Daten, die über regelmäßiges Monitoring gewonnen werden: Informationen über Alter und Geschlecht der Nutzer, über deren Standorte und auch über die Quellen, von denen aus sie zum Auftritt im sozialen Netzwerk geleitet worden sind. Die Grundlage also für alle zielgruppengerichteten Marketing-Akitivitäten…

 

 

Fotos der Veranstaltung

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Fotos: Oberheim