Von der 35mm-Filmrolle zur digitalen Projektionstechnik - ein Blick hinter die Kulissen des Cineplex Münster

„Ich sehe, Sie alle sind geübte Kinogänger, niemand sitzt in der ersten Reihe“, scherzte Albert Hirsch, Vizepräsident des Marketing-Clubs Münster/Osnabrück in seiner Begrüßungsansprache im Cineplex, dem mit 2.707 Sitzplätzen und neun Leinwänden größten und modernsten Kino Münsters. Rund 120 Mitglieder und Freunde des Clubs waren der Einladung Ansgar Eschs, Geschäftsführer der Münsterschen Filmtheaterbetriebe GmbH, gefolgt, um sich vor Ort über das Geschäftsmodell, die technologische Entwicklung und die Marketingkonzeption des Unternehmens zu informieren. 

Ansgar Esch, einer alteingesessenen Münsteraner Kinofamilie entstammend, gab einen kurzen Einblick in die Geschichte der Münsteraner Lichtspielhäuser – eigenständige Unternehmen, aber klein und mit begrenzten Kapazitäten. „In den 1990er Jahren fand dann eine Art Paradigmenwechsel statt“, erzählte Esch. „Die Kinolandschaft änderte sich, kleine Lichtspielhäuser schlossen, die Multiplexe, Großkinos mit mehreren Sälen und neuer Technik, kamen auf. Wir beschlossen, selbst ein Multiplex-Kino zu bauen, bevor andere Münster als Standort entdecken könnten.“ Eine gute Entscheidung, denn mittlerweile rangiere laut Esch das im Jahr 2000 eröffnete Cineplex Münster von den Besucherzahlen her unter den Top 10 der bestbesuchten Kinos in Deutschland.

1996 schlossen sich zudem sechs mittelständische Kinobetreiber, darunter Ansgars Vater Felix Esch, zusammen, um gemeinsam Nachteile gegenüber den stark wachsenden Kinoketten auszugleichen. Daraus erwachsen ist die „Cineplex Deutschland“, eine Gesellschaft aus 26 wirtschaftlich eigenständigen Filmtheaterunternehmen mit insgesamt über 80 Kinos und mehr als 400 Leinwänden, die sich mittlerweile als zweitgrößter Kinoanbieter in Deutschland etabliert hat. Die Cineplex-Kinos gestalten das lokale Filmprogramm in Eigenregie und legen die Eintrittspreise sowie die lokalen Marketingmaßnahmen selbständig fest. „Wir Kinobetreiber leasen die Filme pro Woche beim Filmverleih. Dieser erhält als Gebühr einen prozentualen Anteil von jeder verkauften Eintrittskarte. Mit dem restlichen Teil bestreiten wir hauptsächlich unsere Betriebskosten. Das bedeutet, Geld verdienen wir mit dem Verkauf von Popcorn, Getränken und anderen Konzessionsartikeln“, beschrieb Esch die wirtschaftliche Situation. „Unsere Kooperation bringt vor allem Vorteile im Wareneinkauf, im Betreiben des Internetauftrittes und der Kassensoftware sowie durch das gemeinsame Marketing mit sich.“

Glücklicherweise böte Münster mit seinen vielen Studenten und kulturinteressierten Einwohneren ein gutes Kinopublikum mit einem hohen Pro-Kopf-Besuchsquote und großem Interesse an Filmen aller Art. Das ermögliche, im Cineplex und im ebenfalls zu den Münsterschen Filmtheaterbetrieben gehörenden Schlosstheater im Kreuzviertel der Stadt ein breites Filmspektrum anzubieten. Das Schlosstheater decke dabei vor allem das wirtschaftlich nicht immer einfache Programmkino ab, hier habe sich die Crossfinanzierung durch das Cineplex als hilfreich erwiesen.

„Wir möchten Tradition und Kinokultur erhalten und gleichzeitig die neueste und beste Technik bieten“, beschrieb Ansgar Esch den Anspruch der rund 120 Mitarbeiter starken Münsterschen Filmtheaterbetriebe. Bei einem Rundgang vor und hinter den Kulissen informierte er die Gäste über die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Modernisierungen. In der großzügigen und hellen, mit einer Glasfassade gestalteten Eingangshalle werden auf einer riesigen Videopräsentationsfläche die aktuellen Filme beworben, eine computergesteuerte LED-Installation begleitet jede Filmankündigung mit einer eigenen Lichtshow. „Seit dem Jahr 2011 haben wir im Vorführbereich komplett umgestellt auf digitale Projektionstechnik. Die Umrüstung erforderte hohe Investitionen für Server, Bild- und Soundsysteme und Klimatisierung. Dafür bietet die 3D-Technik eine deutliche Verbesserung der Qualität und immer neue Möglichkeiten, beispielsweise Live-Übertragungen von Musik- und Sportereignissen. Und in jedem Jahr gibt es technische Neuerungen – aktuell stehen wir kurz vor der Serienreife der Laserlichtprojektoren“ beschrieb Esch den Wandel von der 35mm-Filmrolle zur digitalisierten Kinowelt.

„Das Internet wird auch für das Kino-Marketing immer wichtiger, besonders die Cineplex-eigene Webseite mit Programminformationen und Online-Ticketverkauf gewinnt an Bedeutung. Trotzdem geben wir zusätzlich unser eigenes redaktionell aufbereitetes Programmheft „Kino aktuell“ heraus.“ Das Heft erscheine wöchentlich mit einer Auflage von 25.000 Stück und trage sich finanziell durch Anzeigen lokaler Unternehmen und der Filmverleiher. Und der Aufwand lohne sich, gab Esch seine Erfahrung mit der Wertigkeit und Auseinandersetzung eines anspruchsvollen Publikums mit dem Printmedium weiter.

Nach der Zukunft des Kinos in Zeiten von DVD und Download gefragt antwortete Esch: „Es scheint einen Trend zu geben, sich Filme wieder verstärkt im Kino anzuschauen - weil das ein ganz besonderes Erlebnis darstellt. Auch der größte Flachbildschirm kann keine 200-Quadratmeter-Leinwand ersetzen.“

 Von diesem Kinoerlebnis überzeugen konnten sich die Clubmitglieder anschließend bei der exklusiven Vorführung des aktuellen Blockbusters „The Wolf of Wallstreet“ von Kultregisseur Martin Scorsese.


 

Fotos der Veranstaltung

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Fotos: Oberheim