Wolfgang Hölker, Coppenrath Verlag: "I find inspiration in everything!"

„I find Inspiration in everything!“ war das Motto, zu dem der Münsteraner Verleger Wolfgang Hölker die Junioren des Marketing-Clubs Münster/Osnabrück in seinen Coppenrath Verlag eingeladen hatte. Und schon bei der Begrüßung im Showroom des Verlagshauses, das im Münsteraner Hafenviertel in der von Hölker restaurierten Alten Feuerwache untergebracht ist, wünschten sich die jungen Marketiers insgeheim zurück in ihre Kindheit, fanden sie sich doch hineinversetzt in die phantastische Welt der Lieben Sieben, Prinzessin Lillifee und des Hasen Felix. Die Bücher mit Geschichten dieser und weiterer Markenhelden werden vom Coppenrath Verlag herausgebracht und ergänzt durch Spielwaren und Geschenkartikel der im Verlag etablierten Edition „Die Spiegelburg“. „Bücher als Träger von Geschichten sind für uns unglaublich wichtig. Wenn Kindern die Geschichten und Charaktere gefallen, möchten sie auch die zugehörigen Sachen haben“, beschrieb Hölker das Merchandising mit Non-Book-Artikeln wie auch den Verkauf von Lizenzen ins Ausland als Grundpfeiler seines großen Erfolgs. Mittlerweile sind Felix und Co. weltbekannt, allein die Felix-Bücher wurden in rund 25 Ländern insgesamt sieben Millionen Mal verkauft.

Dabei hatte alles ganz klein mit Kochbüchern angefangen. Anfang der 1970er Jahre war der aus einer Westbeverner Handwerkerfamilie stammende Wolfgang Hölker in einer Werbeagentur beschäftigt. Schon immer hätten ihn Ideenreichtum und Kreativität angetrieben. So gründete er nebenbei den Hölker-Verlag und füllte mit seinen Landschaftkochbüchern, Bücher mit regionalen Kochrezepten, eine Marktnische aus. „Wenn man weiß, was man machen will, dann macht man. Und man trifft auf Leute, die ähnliches wollen und einen unterstützen. Und dann klappt es auch“, verriet der Verleger sein Erfolgsrezept. Der Erfolg gab ihm recht und im Jahr 1977 übernahm Hölker zusätzlich den traditionsreichen Coppenrath Verlag, den er auf Kinderbücher neu ausrichtete. „Der Wettbewerb in der Buchbranche ist hart. Bücher zu machen, die massentauglich sind und zugleich Niveau haben, ist nicht ganz einfach.“

„Doch dies ist kein Abend, um zu erzählen, was für einen tollen Verlag wir haben. Und wir machen es auch nicht mit Genialität, sondern mit Maloche“, stimmte der Verleger die Club-Junioren in seiner urwüchsigen Art ein. Vielmehr ließ er sie teilhaben an seinem reichen Erfahrungsschatz, gewonnen im Laufe eines langen und abwechslungsreichen Berufslebens. Dabei stand und steht noch immer die Neugier ganz oben: „Ich bin unglaublich neugierig, mich interessiert alles, auch was abseits des Weges liegt, ich will alles wissen“, beschrieb er die nicht versiegende Quelle seiner Inspiration.

Sicherlich wäre ihm nicht immer alles gelungen. Schlaflose Nächte angesichts der Risiken, die er eingegangen sei, hätte es genügend gegeben. Und doch wäre da immer der Drang gewesen, Neues auszuprobieren und hervorzubringen. Als ganz wichtig erachtete er dabei immer Freunde und Verwandte, die zu ihm hielten. Und so versteht der Verleger sich auch bei seinen Mitarbeitern als Mutmacher zum Selbermachen. „Eigentlich bin ich der visuelle Kommunikator – ich habe ein gutes Auge und kann erkennen, was andere können. Und das versuche ich zu fördern.“

Überwältigt waren die Marketing-Clubler bei der Führung durch die Alte Feuerwache von den vielen Erinnerungsstücken, die der leidenschaftliche Sammler Hölker von seinen zahlreichen Reisen mitgebracht hatte. Ob die goldenen Stühle, die ursprünglich in einem afrikanischen Königspalast standen, das riesige Uhrwerk in seinem Büro („Time is always now!“) oder die vielen Bilder und die Flaggen der Fante, eines Volkes im Süden Ghanas, an den Wänden - der Verleger und bekennende Westfale („Wir leben im schönsten Land der Welt!“) versteht sich als Geschichtenerzähler: „Ich sammle Erinnerungen. Jedes Teil hier hat seine Geschichte und die gilt es zu bewahren. Es ist so wichtig, wo etwas herkommt“.

Zum Abschluss gab Wolfgang Hölker seinen Gästen in seiner leidenschaftlichen und engagierten Art noch einen Rat mit auf den Weg: „Seien Sie tolerant! Toleranz ist, in seinem Kopf etwas zulassen, was man selbst nicht versteht. Seien Sie mutig, machen Sie sich kein Bild, bevor Sie jemanden kennen lernen! Und seien Sie kreativ! Kreativität ist erlernbar, man muss es nur tun. Wir Bürger müssen selber machen, nicht dem Staat alles überlassen. Wir machen unseren Job für die Gesellschaft und wo wir was drehen können und Held sein können, da sind wir dabei!“

 

 

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